Wanderung zum Rainbow Mountain

«oder: Dünne Luft auf 5.000 Höhenmetern»

Hast du schon vom Rainbow Mountain in Peru gehört? Er ist das neue Highlight in Peru und darf auf keiner Bucketlist fehlen. Uns war deren Existenz bis vor Kurzem völlig fremd. Bis wir im Internet auf wunderbare Bilder gestoßen sind. Und wenn es etwas gibt, womit man uns zu entlegenen Orte locken kann, dann sind das schöne Fotos von wilden Tieren oder besonderen Plätzen, die (noch) nicht von Touristenmassen überrannt werden. So sind wir schon (mehrfach) in den Dschungel gekommen, zu unberührten Küstenabschnitten, in die Wüste und nun zuletzt in Peru, zu einem mehr als 5.000 Meter hohen Berg namens Vinicunca inmitten der farbenprächtigen Rainbow Mountains.
Rainbow Mountain Peru Panorama
Blick auf die bunten Rainbowmountains Peru

Eines gleich vorweg, bevor wir mit dem Schwärmen über die schönste Berglandschaft, die wir je gesehen haben, anfangen: Dieser Trip war nämlich auch mit Abstand der wohl anstrengendste, den wir je unternommen haben. Trotzdem oder genau deswegen, sind wir froh, dass wir ihn gemeistert haben.

Den Massen entkommen

Abgeholt wurden wir bereits um 2:30 Uhr morgens. Auch wenn der peruanische Rainbow Mountain noch relativ unbekannt ist (er wird nicht einmal im aktuellen Lonely-Planet erwähnt), bieten doch immer mehr Agenturen in Cusco den Tagesausflug an. Bereits mittags tummeln sich deshalb so einige Wanderer auf den Wegen um den Vinicunca. Um all diesen zuvorzukommen, waren wir also schon (nach einer dreistündigen Busfahrt über Stock und Stein) um 5:30 Uhr am Ausgangspunkt unserer Wanderung. Zuerst gab es noch ein kleines peruanisches Frühstück in einer der windigen Holzhütten. Anschließend ging es über gefrorene Wiesen durch die Kälte immer weiter bergauf, den Rainbow Mountain immer als Ziel vor Augen.

Schon beim ersten Anstieg haben wir die Höhe gespürt, die einem stets das Gefühl gibt, nicht tief genug einatmen zu können. Nach ungefähr 20 Minuten Gehweg wartete eine Gruppe Peruaner auf uns. Diese boten all denen ihre Pferde an, die Bedenken hatten, den Weg sonst nicht zu schaffen. Wir hatten uns schon vorab ein Pferd gesichert, weil wir ehrlich gesagt keine Ahnung hatten, wie wir auf die Höhe reagieren würden. Letztendlich siegte aber unser Stolz und wir haben unser Pferd einer Kanadierin vermacht.

Sonne über den peruanischen Anden

Endlich war auch die Sonne am peruanischen Himmel zu sehen und uns wurde, trotz aller vorherigen Bedenken hinsichtlich eines ziemlich schnellen Erfrierungstodes, wieder warm. Ein Großteil des Weges führte über weite Ebenen, auf denen Alpaka- und Lama-Herden grasten, vorbei an einfachsten Bergdörfern und alten Steinbauten. Umringt wurde die Szenerie stets von der imposanten Gebirgs- und Gletscherlandschaft der Anden, deren Anblick allein schon den weiten Weg wert ist.

Anden Gebirgskette

Die Bewohner der Berge

Der Blick auf den Rainbow Mountain

Ganz langsam und Schritt für Schritt haben wir uns nach oben gezwungen. Immer wieder haben wir Pausen eingelegt und uns eingeredet, dass wir bald mit dem lang ersehnten Ausblick belohnt werden würden. Das letzte Steilstück hat uns noch einmal alles an Energie abverlangt. Das Ziel in greifbarer Nähe, konnten wir aber nochmal alle Reserven aktivieren und nach knappen fünf Stunden standen wir oben: 5.020 Meter über dem Meer, vollkommen erschöpft und überglücklich. Kein Foto kann den unbeschreiblichen Panoramablick über die farbenprächtigen Berge wirklich wiedergeben, der sich uns dort oben bot. Unsere Bilder lassen es aber doch erahnen.

Nach gut einer Stunde Pause, die wir bitter nötig hatten und einer Menge Fotos, haben wir uns auf den zweieinhalb Stunden Rückweg gemacht. Das klingt nicht nach viel, aber unten angekommen, waren wir alle vollkommen am Ende (wenn wir überhaupt noch mehr am Ende sein konnten) und haben, trotz der vielen Schlaglöcher, fast die ganze Rückfahrt geschlafen.
Die Landschaft, der Ausblick vom Gipfel auf den Rainbow Mountain und das Gefühl, es trotz der schwierigen Bedingungen geschafft zu haben, waren die Strapazen und den Schweiß wert. Allerdings war es gut, dass uns vorher nicht klar war, was uns erwartet. Für uns war eine Once-In-A-Lifetime-Experience, die wir nicht missen, aber auch nicht so bald wiederholen möchten.

Am Gipfel des Rainbow Mountains

Rainbow Mountain Peru

Tipps für die Wanderung

Zum Schluss noch ein paar Tipps, wie auch dein Ausflug zum Rainbow Mountain in Peru zum unvergesslichen Erlebnis wird:

Auf jeden Fall solltest du eine möglichst frühe Tour buchen! Wenn der Wecker um 2:00 Uhr morgens klingelt, ist das wahrhaft nicht spaßig. Wenn du dann beim Abstieg aber an all denen vorbeikommst, die erst unter der Mittagssonne im Gänsemarsch aufsteigen, wirst du es dir selbst danken.

Das Wetter in den Anden ist vollkommen unvorhersehbar und der Zwiebel-Look unausweichlich, inklusive Mütze und Schal. Von Morgenfrost über gleißenden Sonnenschein bis hin zu starkem und kaltem Wind oben am Gipfel. Das alles haben wir während unserer Wanderung mitgemacht. Letztendlich gilt: Lieber zu viel Kleidung als zu wenig. Auf der Hin- und Rückfahrt hilft außerdem ein Schlafsack oder eine Decke, die du während des Wanderns im Auto lassen kannst.

Unterschätze die körperliche Belastung nicht. Nach 4 Tagen in Cusco waren wir ausreichend für die Wanderung zum Rainbow Mountain akklimatisiert. Trotzdem ist die Höhe nicht zu verachten. Wichtig ist, dass du dein eigenes Tempo findest, auch wenn andere vielleicht schneller sein mögen. Nur keine Eile, dann brauchst du auch nicht die Notfall-Sauerstoffflasche, die jeder gute Guide dabeihaben sollte.

Ein Pferd vorab zu reservieren ist nicht notwendig. Zum einen ist es viel teurer als vor Ort und zum anderen kannst du erst nach dem ersten Anstieg wirklich abschätzen, wie du auf die Höhe und die Anstrengung reagierst. Wir haben unser Pferd letztendlich nicht gebraucht. Selbst wenn du irgendwann doch lieber weiterreiten als -laufen möchtest, wird irgendwo sicher ein glücklicher Peruaner stehen, der dich mit seinem Pferd für ein paar Dollar nach oben bringt.

Unsere Guides für den Rainbow Mountain

Wir sind mit Flashpacker Connect Peru zu den Rainbow Mountain gewandert und waren ganz zufrieden. Unser Haupt-Guide konnte zwar nicht wirklich gut Englisch, hat sich aber sehr bemüht, manchmal vielleicht sogar zu viel für unseren Geschmack. Wir hätten gut auf die anfänglichen Geschichtseinheiten verzichten können, während denen wir uns zwischen den frostüberzogenen Steinen hinter unserem gefrierenden Atem die Hände vor Kälte gerieben und unsere Zehen nicht mehr gespürt haben.

Update Oktober 2019:

In letzter Zeit hat der Tourismus-Verkehr am Rainbow Mountain wohl leider ziemlich zugenommen. Täglich werden mittlerweile viele hunderte Besucher aus Cusco angebracht, worunter die Natur und natürlich auch das Erlebnis an sich leiden. Umso mehr müssen wir dir raten, so früh wie möglich zu deiner Tour zum Rainbow  Mountain aufzubrechen. Uns wurde kürzlich außerdem von einem alternativen Rainbow Mountain berichtet, dem Palccoyo. Wir selbst waren noch nicht dort, aber ein Besuch dürfte sich lohnen, bevor auch dieser Ort zu einer offiziellen Attraktion wird.

Hast du den Rainbow Mountain in Peru auch schon besucht oder warst sogar am alternativen Rainbow Mountain? Erzähl uns doch davon in einem Kommentar. Wir sind gespannt!