Unsere Tipps für die Medina von Fès

«oder: Stets auf der Suche nach dem Weg»

Tag 2 unseres Marokko-Roadtrips. Wir sind nach einer Nacht in und einer wilden Fahrt durch Casablanca in Fès angekommen. Im richtigen Marokko, wie Alex, der Chef unseres Riads „Le Calife“ uns sofort aufklärte.

Gerade saßen wir zusammen in der Lobby, tranken Minztee (Na was auch sonst? Es sollten noch zig Liter in den nächsten Tagen folgen.), aßen Datteln und versuchten, ihm und seinen Erklärungen zu folgen. Vor uns ausgebreitet lag die Karte von Fés. Während Alex uns innerhalb der letzten halben Stunde neben Restaurantempfehlungen, auch den Klatsch und Tratsch der Stadt nähergebracht hatte (Wenn ihr wissen wollt, wer mit wem – wir kennen uns aus!), warteten wir schon gespannt auf seine Empfehlungen und Tipps die Medina von Fès betreffend. Die Medina, die Altstadt von Fès war nämlich der Bereich, der uns am allermeisten interessierte und auf den wir schon mehr als gespannt waren. Etwas perplex waren wir dann, als Alex Ausführung zur Medina lediglich folgende war: „Let´s get lost. That is part of  the game.“ Na das konnte ja heiter werden!

Fez Marokko

Fez Marokko

Jetzt im Nachhinein sagen wir mit Nachdruck: Besser hätte die Erklärung zur Medina nicht lauten können. Die Altstadt ist ein wahres Labyrinth. Ohne genug Zeit im Gepäck darfst du den Eingang zum Labyrinth auf keinen Fall betreten. Und denke jetzt nicht, dass du mit einer Karte und einem GPS-fähigen Handy besser dran bist. Du kannst hier nämlich beides vergessen. Die Erklärung dazu ist ganz einfach. Von den geschätzten 11.000 Gassen innerhalb der Medina ist nur knapp die Hälfte irgendwo verzeichnet. Seit der Gründung der Stadt im Jahre 789 wurde keine vollständige Karte erstellt. Keine einzige. Somit ist auch verständlich, warum sich noch nicht einmal Google auskennt und oft plötzlich das Handtuch schmeißt.

Was du unserer Meinung nach in der Medina nicht verpassen solltest, erfährst du nun im folgenden Bericht. Wir hoffen, du findest die richtigen Wege.

  1. Die Souks erkunden

Wir glauben, dass wir noch nirgendwo mit so vielen Sinneseindrücken auf einmal zurechtkommen mussten. Unsere Augen wussten oft gar nicht, wo sie als erstes hinschauen sollten. (Damit du vorgewarnt bist: abgetrennte Kamelköpfe mit Kräuterbüscheln im Mund waren nicht unser liebster Anblick.) Unsere Nase durfte von köstlichsten Gewürzen über frische Minze und Naturkosmetik bis hin zu Fisch, der den ganzen Tag draußen lag, alles riechen. Dementsprechend mussten wir natürlich auch immer wieder etwas probieren, was unseren Nasen bereits gefallen hat. Der obligatorische Minztee war hier nur der Anfang.

Fez Marokko

Wir haben die verschiedensten Materialien gefühlt: gewebte Teppiche, geknüpfte Taschen, gegerbtes Leder, geschnitzte Schüsseln, aus Metall gearbeitete Tabletts,… Auch unseren Ohren wurde nie langweilig, denn an Ruhe ist in den Souks nicht zu denken. Hier wird angeboten und gefeilscht, was das Zeug hält. Zwischendrin klappern dazu die Hufe von Lasteseln und -pferden.  Die Souks muss man erlebt haben, um zu verstehen. Da sind wir uns ganz sicher.

Die Medina von Fès

  1. Einen Minztee mitten in der Medina trinken

Marokko ohne Minztee wäre wie Tonic ohne Gin. In anderen Worten: Undenkbar. Es gibt in Fès wohl kaum einen Ort, an dem man seinen Minztee besser trinken kann als mitten in der Medina.

Fez Marokko

Fes Marokko

Fez Marokko

Alle Welt schwärmt vom „Café Clock“, das wir uns natürlich auch angeschaut haben. Schon alleine deshalb, weil Alex, der Chef unseres Riads, uns auch hier Insider-Informationen gegeben hat, die wir überprüfen mussten. Wir fanden das „Café Clock“ in Ordnung, aber zu unserer Lieblingsminzteetrinklocation wurde es nicht. Dafür haben wir das „Made in M“ auserkoren. An einem quietschgelben Tisch und auf bunten Kissen sitzend, mit Blick auf die kleinen Gassen der Medina, haben wir unseren Platz gefunden. Nicht nur die Einrichtung des winzigen Cafés, sondern auch die Leckereien (unbedingt „Gazellenhörnchen“ probieren!) und die Herzlichkeit der beiden Betreiberinnen, ließen unsere Herzen höher schlagen.

Fez Marokko

  1. Eine ehemalige Koranschule besuchen

Mitten im Trubel in der Medina von Fès befindet sich die ehemalige Koranschule Medersa Attarine. Gegründet wurde die Medersa im Jahre 1325 und war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Der Innenhof ist fast quadratisch, wobei jede der vier Seitenwände unterschiedlich gestaltet wurde. Jeder Mosaikfliesenfan kommt hier auf seine Kosten. Neben dem Gebetsraum können hier auch die ehemaligen Wohn- und Schlafkammern der Koranschüler betreten werden.

Die Medina von Fès

Fez Marokko

Fez Marokko

  1. Das Gerberviertel von Fès auskundschaften

Dieses Viertel hat es echt in sich. In den zugehörigen Gassen reihen sich Ledershop an Ledershop. Vor jedem Eingang wird man herzlich eingeladen, die Arbeit der Gerber in den Hinterhöfen zu betrachten. Jeder kennt davon das Bild aus Fès, das wir natürlich auch haben wollten. Dabei war es gar nicht so einfach, die richtige Gerberei zu finden. Hier der Tipp für dich: Der Laden mit der Nummer 14 bietet einen wirklich guten Blick.

Fez Marokko

Am Eingang wird dir ein Büschel Minze in die Hand gedrückt, das du unbedingt mitnehmen solltest. Danach geht es zuerst ein paar Treppenstufen nach oben, um Abstand vom Gestank der Gerbertunke zu gewinnen. Der Geruch, der aus den riesigen Gefäßen kommt, ist nämlich – ganz einfach – widerlich. Am liebsten hätten wir uns die Minzblätter einfach gleich ganz in die Nase gesteckt. Der Geruch entsteht vor allem durch den Taubenkot, einer natürlichen Form des Ammoniak. Zu sehen, wie die Arbeiter in den Gefäßen stehen, teilweise ohne Schutzkleidung, und darin das Leder bearbeiten, bringt sehr gemischte Gefühle. Gesund kann es nicht sein, von der Anstrengung ganz zu schweigen. Faszinierend ist es allemal, aber ganz konnten wir die Menschen nicht verstehen, die sich, nach diesem Anblick, massig Lederwaren kauften. Was du nach einer kleinen Führung bitte nicht vergessen darfst, ist das Trinkgeld.

 

Fez Marokko

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  1. Durch das „Bab Boujeloud“ treten

Das „Bab Boujeloud“, welches erst im Jahr 1913 errichtet wurde, ist der wohl schönste Zugang in die Altstadt von Fès. Übersetzt heißt es das „Blaue Tor“. Obwohl das nicht ganz richtig ist. Das Tor ist zwar auf der Außenseite blau, auf der Innenseite jedoch grün. Die Erklärung dafür ist ganz einfach.  Das Blau steht für Fès, das Grün für den Koran. Der Bereich hinter dem Tor trägt den passenden Namen „Platz der verlorenen Touristen“. Humor haben sie, die Marokkaner. Der Platz heißt nämlich tatsächlich so, weil Besucher sich in dem Gassengewirr der Medina nur schwer zurechtfinden.

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  1. Im „Ruined Garden“ das Essen genießen

Beim Betreten des Lokals „Ruined Garden“ blieb uns erst einmal der Mund offen stehen. Obwohl der Name natürlich schon aussagekräftig ist, hat der Anblick unsere Vorstellungen übertroffen. Man nehme einen heruntergekommenen Hinterhof, stelle auf jedes freie Stückchen Erde eine Pflanze, hänge die Pflanzen, die am Boden keinen Platz mehr finden irgendwo in die Mauerreste und platziere ausschließlich nicht zusammenpassende Gartenmöbel zwischen das Grün. Fertig ist der „Ruined Garden“. Dazu war das Essen so gut, dass wir gleich zweimal hier waren. Die Auswahl an vegetarischen Gerichten (in Marokko ja sonst leider eher Fehlanzeige) war riesig. Besonders verliebt hat sich unser Gaumen in die Kichererbsenpfannkuchen mit Tomatensoße und die frischen Smoothies in außergewöhnlichen Kombinationen. Wenn du hier am Abend zum Essen kommen möchtest, reserviere unbedingt am Tag vorher schon einen Tisch.

Fez Marokko

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